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Deutschlands beste Golfspielerin ist Hoffnungsträgerin für das Team Europa: Esther Henseleit im Gespräch über den Solheim Cup, weibliche Vorbilder im Golf – und Ausflüge mit ihrer olympischen Silbermedaille.
Als Rookie war Esther Henseleit bereits 2024 beim Solheim Cup, dem wichtigsten Kontinentalwettkampf im Frauen-Golf zwischen Team Europa und Team USA. Diesmal ist sie eine der Hoffnungsträgerinnen unter den zwölf europäischen Golferinnen: Henseleit hat sich längst einen Spitzenplatz in ihrer Sportart erarbeitet, spielt auf der US-amerikanischen LPGA Tour und ist eine Kandidatin für Major-Titel. Im Juli verlor sie zwar das Stechen um den Titel der British Open, es war dennoch ihr größter Karriereerfolg nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Diese Medaille brachte der 27-Jährigen aus Varel in Friesland auch außerhalb des Golfplatzes einige Berühmtheit beim deutschen Sportpublikum ein. Das dürfte beim Solheim Cup, der von Freitag bis Sonntag auf dem Bernardus Golfplatz in den Niederlanden stattfindet, eine Art Heimvorteil bringen.
SZ: Frau Henseleit, am Freitagmorgen beginnt für Sie der Saisonhöhepunkt mit dem Solheim Cup. Bereitet man sich auf ein solch großes Turnier ganz gezielt vor?
Weniger als man denken könnte. Ich habe vergangene Woche noch ein Turnier in den USA gespielt und im Anschluss in England trainiert. Da wir so viele Turniere jedes Jahr spielen, kann man gar nicht so konkret auf ein besonderes Highlight hinarbeiten. In Wahrheit ist das meiste Routine.
Aber Sie mussten vermutlich mehr Tickets besorgen als üblich, immerhin findet der Solheim Cup nahe an der deutschen Grenze statt.
Es fühlt sich ein bisschen nach einem Heimturnier an, da wir nur knapp dreieinhalb Stunden von meinem Heimatort entfernt spielen. Meine ganze Familie wird dabei sein, für die wird es sogar der erste Solheim Cup. Anders als bei meinen LPGA-Turnieren in den USA können sie mich hier aus nächster Nähe live erleben.
Es war ein besonderer Sommer für Sie, mit dem großen Erfolg bei den British Open im Juli, der Ihnen auch die Qualifikation für die Solheim-Cup-Mannschaft gebracht hat. Blieb da eigentlich Zeit für ein bisschen Pause?
Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, mich von den British Open zu erholen. Während des Turniers merkt man das nicht so, aber es saugt einem wirklich komplett die Energie raus. Ich war für eine Woche wirklich kaputt, aber, wie gesagt: Dann ging es schon wieder zurück ins Training und zum nächsten Turnier.
Wie viele Tage im Jahr haben Sie eigentlich keinen Golfschläger in der Hand?
Ich habe nach den British Open, glaube ich, drei Tage lang keinen Schläger angefasst. Das ist das Maximum, während der Saison. Um Weihnachten herum mache ich zwei Wochen Pause, sonst geht das nicht.
Sie sind 1999 geboren: War der Solheim Cup in Ihrer Generation schon so relevant wie heute?
Leider lief in Deutschland noch kein Damen-Golf im Fernsehen, als ich jung war. Der Solheim Cup alle zwei Jahre war das einzige Event, das übertragen wurde, daher war das ein Highlight. Ansonsten habe ich die Herren-Turniere verfolgt: Die British Open und der Ryder Cup waren da für mich die besten Events.
War es für Sie unter diesen Umständen eigentlich möglich, weibliche Vorbilder zu haben?
Ich habe 2008 angefangen, Golf zu spielen, da lief wirklich fast nur Herren-Golf im Fernsehen. Was geholfen hat, war, dass Martin Kaymer damals so gut gespielt hat – dadurch gab es einen Deutschen, dem man folgen konnte. Er war für meine Generation einfach die Person, die gezeigt hat: Es ist auch aus Deutschland heraus möglich, vorn mitzuspielen. Die TV-Übertragungen bei den Damen haben dann erst so richtig begonnen, als ich schon auf der Tour gespielt habe. Das heißt, ich habe nie wirklich Damen-Golf geschaut.
Zumindest nicht im Fernsehen, Turniere gab es ja.
Als Zehn- oder Elfjährige war ich mal in Gut Häusern, wo damals ein Turnier der Ladies European Tour stattfand. Das war lange Zeit mein einziger Berührungspunkt mit Damen-Profigolf, aber dafür war’s umso wichtiger: Ich habe damals Mel Reid zugeschaut, die war meine Favoritin unter den Golferinnen. Dann hat sie mir einen Golfball geschenkt und danach war ich mir sicher: So will ich auch mal spielen.
Denken Sie, heute wachsen junge Golferinnen anders auf?
Sicherlich, im Vergleich zu damals. Ich freue mich darüber, dass wir heute sichtbarer sind und Mädchen, die jetzt mit dem Golfsport anfangen, uns im Fernsehen und den sozialen Medien folgen können.
Gilt das auch für Deutschland? Golf erlebt weltweit einen großen Aufschwung, in Deutschland ist dieser Trend bisher nicht ganz so in der Breite zu sehen, oder?
Weltweit haben wir uns wirklich stark weiterentwickelt, in Deutschland kommt das schon auch: Wir haben die Damen-Major-Turniere jetzt live im Fernsehen, auch das Meiste von der Ladies European Tour – aber am Ende ist die Aufgabe vor allem, dass die Jugendarbeit in den Klubs gut funktioniert.
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Foto: Kate McShane/Getty Images